Kritiker der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern

Persönliches Gespräch mit dem Vorstand der Ärztekammer MV 5.1.2011, 19:30–20:45 Uhr
Gedächtnisprotokoll – Prof. Dr. M. Freund 5.1.2011


Hier die "Einladung zu einem persönlichen Gespräch" am 5.1.2011

Es sind anwesend:

Prof. Dr. med. M. Freund
Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie, Hämostaseologie und Palliativmedizin
Geschäftsführender Direktor Medizinische Klinik III
Universitätsklinikum Rostock AöR

und sein Rechtsbeistand
Dr. jur. Jan Daub
Kanzlei Ernestus, Daub & Coll. Rechtsanwälte, Rostock

Von Seiten der Ärztekammer MV:

Dr. med. Andreas Crusius,
Präsident der Ärztekammer MV
Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Pathologie, Rostock

Dr. med. Holger Dietze
Geschäftsführender Referatsleiter
Geschäftsführung

Ulrike Büttner
Referatsleiter (Jurist)
Referat Aus- und Weiterbildung

Frank Th. Loebbert
Referatsleiter
Referat Recht

Dr. med. Thomas Müller,
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Waren

Dr. med. Harald Terpe, MdB,
Facharzt für Pathologie, Rostock

Dr. med. Christiane Frenz,
Fachärztin für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Demmin

Dr. med. Winrich Mothes,
Facharzt für Chirurgie und Facharzt für Kinderchirurgie, Schwerin

Dr. med. Fred Ruhnau,
Facharzt für Innere Medizin, Neustrelitz

Dr. med. Evelin Pinnow,
Fachärztin für Chirurgie, Hagenow

Priv.-Doz. Dr. med. habil. Dr. med. dent. Uwe Peter,
Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Rostock


Herr Dr. Crusius leitet das Gespräch ein. Er sagt:
„Es liegen verschiedene Anträge auf Weiterbildungsermächtigung und Schriftwechsel von Professor Freund vor. Wir haben Sie eingeladen, weil wir denken: Ehe wir das eskalieren lassen, versuchen wir einen anderen Weg. Deshalb haben wir heute zu diesem Gespräch eingeladen“

Es folgt ein langer Beitrag zu Weiterbildungsfragen. Der Ärztekammer obliege es aufgrund des Heilberufegesetzes MV, Ärzten die Weiterbildungsermächtigung zu erteilen. Mit der Novellierung der Weiterbildungsordnung durch die Bundesärztekammer und in der Folge durch die Ärztekammer MV sei die Absicht verbunden gewesen, die Weiterbildung zu vereinfachen und für den Assistenten durchschaubarer zu gestalten. Er spricht von gesetzlichen Grundlagen.

Man habe daher die Notwendigkeit zeitlich und inhaltlich gegliederter Curricula eingeführt und die Notwendigkeit der Rotation durch alle Abteilungen bei fachlich gegliederten Kliniken. Dr. Crusius liest aus dem §5 der Weiterbildungsordnung, in dem es heißt: „Der befugte Arzt ist verpflichtet, die Weiterbildung persönlich zu leiten sowie zeitlich und inhaltlich entsprechend dieser Weiterbildungsordnung zu gestalten“. Bisher seien die von Professor Freund eingereichten Unterlagen unvollständig, da keine entsprechend gegliederten Curricula vorlägen.

Das beste Weiterbildungscurriculum in Rostock bestünde für die Weiterbildung in Allgemeinmedizin. Da bekäme jeder der Weiterzubildenden von Prof. Schuff-Werner bei Antritt seiner Stelle einen exakten Plan, wann er zu welchem Zeitpunkt seiner Rotation wo sei.
   
Es gäbe zahlreiche Kliniken bundesweit, die entsprechende Curricula geschaffen hatten. Einige Beispiele hätten er, Dr. Crusius und Frau Büttner Herrn Dr. Daub in dem Gespräch am 23.8.2010 als Muster vorgelegt, um eine Brücke zu bauen. Es sei auch eine bekannte Universitätsklinik dabei gewesen.

Dr. Crusius sagt: „Es finden Runden zwischen den Landesärztekammern und der Bundesärztekammer statt, auf denen man sich austauscht. Auf einer dieser Runden wurde die Frage gestellt, was es denn für Konsequenzen habe, wenn sich ein Arzt weigere, ein strukturiertes Weiterbildungscurriculum vorzulegen. Die Antwort war in der Runde: Dann ist die persönliche Eignung des Arztes in Frage zu stellen. Ich bitte das nicht falsch zu verstehen, dies sage ich (Dr. Crusius) nicht als Drohung. Es soll nur zeigen, wie weit das Spektrum in dieser Frage reicht.“  

Es bleibt offen, ob Dr. Crusius auf §5 Abs. 2 der Weiterbildungsordnung anspielt: „Die Befugnis zur Weiterbildung kann nur erteilt werden, wenn der Arzt die Bezeichnung führt, fachlich und persönlich geeignet ist“ oder ob er sich auf die weitergehende Bestimmung der Bundesärzteordnung §3 Abs. 1 zum Entzug der Approbation bezieht (Einzelheiten siehe Bundesärztekammer – Verfahren zum Entzug der Approbation - http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=1.101.169.5425)

(Nachsatz am 8.2.2011: Mittlerweile ist klar, aus was sich Dr. Crusius bezieht, wenn er das auch beri dem Gespräch am 5.1.2011 nicht offen geäußert hat. Er bezieht sich auf die Richtlinie des Vorstandes der Ärztekammer MV vom 15.8.2007 zur persönlichen Eignung von Ärzten für die Weiterbildung - lesen Sie selbst)

Prof. Freund bedankt sich für die ausführlichen Erläuterungen des Präsidenten und für die Darstellung des möglichen Spektrums der Dinge.

Er plädiert dafür, die Diskussion auf die sachlichen Problempunkte zurückzuführen. Er weist darauf hin, daß er am 20.12.2010 einen Brief zur Vorbereitung des Gesprächs geschrieben hat. (Der Brief liegt den Anwesenden offensichtlich als elektronischer file vor, den sie sich auf ihren Laptops anschauen). Prof. Freund schlägt vor, sich zunächst der Diskussion der Weiterbildungsermächtigung Basisweiterbildung Innere Medizin zuzuwenden.

Prof. Freund liest kurz aus dem Schreiben:

"Den Antrag auf Weiterbildungsermächtigung habe ich mit Datum vom 5.5.2009 bei Ihnen eingereicht. Mit Schreiben vom 11.5.2009 wurde der Eingang bei Ihnen bestätigt und die Ehrenerklärung und eine Verbunderklärung nachgefordert.

Die Unterlagen wurden nachgereicht. Die Novellierung der Weiterbildungsordnung 9/2009 machte Veränderungen notwendig, die zwischen den 3 Direktoren der Medizinischen Kliniken I, II und III abgesprochen wurden.

Ihnen ist dann mit Datum vom 14.12.2009 mit den Unterschriften der 3 Direktoren ein Curriculum über die Weiterbildung zugegangen.

Mir wurde von Ihnen der Eingang der Unterlagen am 15.2.2010 bestätigt.
....
Es ist mit Datum vom 10.7.2010 ein Rotationsplan in Abstimmung der 3 Direktoren an Sie geschickt worden. "

Prof. Freund betont, dass er zum Vorgang trotz vielfacher Anfragen noch nicht ein schriftliches Dokument der Ärztekammer zu seinem Antrag erhalten hat. Er bekräftigt, dass er auf einem Bescheid besteht.

Es schließt sich eine lebhafte Diskussion an, die nur mit gewissen Zusammenfassungen und vielleicht nicht immer in der exakten Reihenfolge wiedergegeben werden kann:

  • Dr. Crusius führt sehr ausführlich aus, welche Weiterbildungsermächtigungen im Zentrum für Innere Medizin vorliegen würden:
Dr. F. habe eine Weiterbildungsermächtigung über 28 Monate
Prof. I. habe eine Weiterbildungsermächtigung, nicht Prof. N., der habe keine.
Herr Dr. H. habe schon sehr früh einen Antrag gestellt.

Er betont, den Assistenten müßte bei Antritt ihrer Stelle ein exakter Plan übergeben bekommen, aus dem hervorgeht, auf welcher Station sie zu welchem Zeitpunkt sein werden.
  • Frau Dr. Frenz tritt mässigend auf und appelliert an Prof. Freund – es geht um die Weiterbildung der Assistenten. Man müsse doch zu einer Lösung kommen. 
  • Dr. Terpe schließt sich an und sagt, die Angelegenheit sei schlecht zu überblicken, aber ein Gespräch müsse doch immer dazu dienen, zu einem Kompromiss zu kommen.
  • Prof. Freund gibt Frau Dr. Frenz Recht und betont, dass es ihm auch und an erster Stelle um die Weiterbildung der Assistenten geht. Dies und nichts anderes sei das Ziel der ganzen Angelegenheit.
Nur sei die Situation eben so, dass die Argumente seit langer Zeit ausgetauscht sind und dass von Herrn Dr. Crusius der gleiche Standpunkt vertreten wird wie vor mehr als einem Jahr. Hierzu hat Prof. Freund bereits seit langem Stellung genommen und insofern sind die Positionen hier wirklich ausdiskutiert. Er bestehen eben einfach unterschiedliche Auffassungen. Es müsse ein Bescheid verfasst werden, damit dann die unterschiedlichen Auffassungen gerichtlich geklärt werden können. So, wie die Dinge jetzt liegen, hängt die Sache mit der Behauptung der Ärztekammer, die Unterlagen seien nicht vollständig, in der Luft und können nicht weitergetrieben werden.

  • Herr Dr. Müller, Waren sagt:
„Ihnen (Prof. Freund) geht es gar nicht um die Weiterbildung der Assistenten. Ihnen geht es darum, Assistenzärzte in Ihrer Abteilung zu haben. Dazu wollen Sie sie möglichst lange in der Abteilung halten. Ich bin Pädiater, aber ich weiss, wie das ist. Wir sehen es doch immer wieder, dass Assistenten zu den Facharztprüfungen kommen, die nicht eine einzige Rotation haben, die immer in der gleichen Abteilung geblieben sind.

Und Sie (Prof. Freund), sind nicht nur einer unter vielen. Sie sind mehr. Sie sind eine maßgebliche Persönlichkeit!“
  • Prof. Freund verwehrt sich in scharfer Form:
"Weisen Sie mir einen einzigen Assistenten nach, der in den letzten 15 Jahren aus meiner Klinik heraus zur Facharztprüfung gekommen ist und der nicht in der Rotation gewesen ist! Einen einzigen!"

"Und wie soll man Ihren letzten Satz verstehen? Etwa so, dass hier ein Exempel statuiert werden soll?"
  • Herr Dr. Müller sagt:
"Zu einzelnen Assistenten kann und darf ich nichts sagen. Das muss die Weiterbildungsabteilung tun."
  • Prof. Freund gibt die Frage an Dr. Crusius weiter.
  • Dr. Crusius fragt statt einer Antwort, welches Curriculum denn die Assistenten in der Klinik für Innere Medizin in die Hand bekommen. Sie müssten bei Antritt ihrer Stelle wissen, zu welchem Zeitpunkt sie auf welcher Station, in welcher Abteilung, wann sie auf der Intensivstation, wann in der Sonographie bei Herrn H. wären. Er führt ein weiteres Mal aus, das eingereichte Curriculum sei kein Curriculum. 500 Sonographien würden verlangt, die könnten nur bei Dr. H. erworben werden. Die Assistenten müssten wissen, wenn sie da hin kommen. Nur Dr. H. hätte den entsprechenden Sonographieschein. Wenn die Assistenten nach der Niederlassung Sonographien über die KV abrechnen wollten, müßten sie eine Weiterbildung über 500 Sonographien durch einen zertifizierten Ausbilder nachweisen. Da sei ihnen keine weitere Prüfung zuzumuten. Das müsste entsprechend in der Basisweiterbildung Innere Medizin gewährleistet sein. Diese Weiterbildung könne nicht in den Abteilungen, sondern nur bei Dr. H. erfolgen.
  • Frau Dr. Pinnow bemüht sich um einen sachlichen Dialog. Es gehe doch darum, zu einer Lösung und einer Verständigung zu kommen. Das sei der Zweck dieses Gesprächs.
  • Herr Dr. Peter fragt Prof. Freund:
„Wie machen Sie es denn konkret mit der Rotation auf die Intensivstation?“
  • Prof. Freund führt aus, dass die Weiterbildungsordnung vorsieht, dass 6 Monate Rotation auf die Intensivstation im Rahmen der Basisweiterbildung Innere Medizin oder im Rahmen der Weiterbildung im Schwerpunkt abzuleisten sind. In der Praxis würde es so aussehen, dass ein sinnvoller Zeitpunkt im 3. oder 4. Jahr ist. Konkret müßte man den Zeitpunkt z.B. danach festlegen, ob ein Tauschpartner zur Verfügung steht. Ein weiterer Aspekt sei, dass zwei Assistenten, die gleichzeitig angefangen haben, nicht parallel zusammen auf die Intensivstation gehen können. Dies gehe an der Praxis vorbei.
  • Herr Dr. Peter empört sich:
„Genau das ist es. Es kann nicht sein, dass die Rotation von solchen Dingen abhängt. Es ist Ihre Pflicht als hochbezahlte Führungskraft, das so zu organisieren, dass dem Assistenten ein Plan gegeben werden kann, aus dem er exakt sieht, wann er auf die Intensivstation geht.“
  • Dr. Crusius pflichtet bei. Die Assistenten würden ja zu ihm kommen. Sie hätten es satt, zu Herrn Prof. M. alle halbe Jahre auf den Sklavenmarkt zu gehen. Sklavenmarkt würden sie es nennen: Die Assistenten könnten nur rotieren, wenn sie einen Tauschpartner haben. Sie müssten ihre Rotation selbst organisieren. Das könne es nicht sein. Die Assistenten brauchten einen exakten Plan für die Rotation.
  • Herr Dr. Ruhnau stellt fest, dass alle Anträge auf Weiterbildungsermächtigung im Vorstand besprochen werden und dass man sich einig sei. Es müsse ein zeitlich und inhaltlich strukturiertes Curriculum vorliegen. Das klappe in vielen Kliniken ja auch gut. Wenn keine Abteilungen vorliegen, sei das natürlich einfacher. Aber es ginge ja auch in den grösseren Kliniken, wie man an Beispielen sehe. Man müsse den Weiterbildungsantrag von Prof. Freund dann eben ablehnen.
Prof. Freund spricht an, dass man bisher nur über die Basisweiterbildung Innere Medizin gesprochen hat. Er weist darauf hin, dass auch noch die Anträge zur Weiterbildungsermächtigung Hämatologie und Onkologie und zur Hämostaseologie offenstehen und dass er auch hier auf einem Bescheid besteht, siehe Schreiben vom 20.12.2010.

Die nachfolgende Aussprache fällt kurz aus.

Herr Dr. Crusius stellt fest, dass hier die gleichen Dinge vorlägen. Die Anträge seien unvollständig. Es läge kein Curriculum vor. In Sachen Hämostaseologie müsse der Assistent wissen, wann er in der hämostaseologischen Ambulanz sei, wann im Gerinnungslabor usw. Für die Hämatologie und Onkologie gelte das gleiche. Hier sei es ja merkwürdig, dass Prof. J, Oberarzt von Prof. Freund, ein angemessenes Curriculum vorgelegt habe, Prof. Freund ein solches aber verweigere.

Prof. Freund antwortet, dass es schon auch mal unterschiedliche Auffassungen in der Klinik geben würde. Er sei aber ein liberaler Mensch und lasse das gelten. Das ändere aber nichts daran, dass die Auffassungen unterschiedlich sind.

Herr Dr. Crusius sagt, dass man den Assistenten einen schlechten Dienst erweise, wenn die Angelegenheit jetzt in die Streitigkeit geht. Zur Zeit würden am Verwaltungsgericht die Klagen von 2002 abgearbeitet. Das bedeute, dass Weiterbildungszeiten der Assistenten in den nächsten Jahren nicht anerkannt werden.

Prof. Freund stellt abschliessend fest, daß er die aufgetretenen unterschiedlichen Auffassungen sachlich sieht und bedankt sich bei den Anwesenden für die Zeit und die Mühe für das Gespräch. Er stellt bedauernd fest, dass heute kein Fortschritt erzielt werden konnte. Die Standpunkte seien aber bereits seit einem Jahr in der Diskussion zwischen dem Präsidenden und ihm ausdiskutiert.

Vielleicht wäre ein Gespräch mit dem gesamten Vorstand zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt zielführender gewesen.

Man verabschiedet sich.

Das Gespräch schliesst um 20:45 Uhr


Gez. Prof. Dr. M. Freund